Archiv für den Monat: September 2014

#17

Wir mussten an diesem Hof anhalten um Zirben-Schnaps zu kaufen, weil es den im Laden nicht gibt. Ich konnte nicht ahnen, dass wir zwei Minuten, nachdem wir einfach in die erstbeste Tür, die auf dem Gehöft offen stand hinein gestolpert sind am Küchentisch dieses fremden Ehepaares sitzen würden, dass uns erst wieder gehen lässt, nachdem wir neben dem Zirben- auch den Brombeer-, Himbeer und Birnenquitten-Schnaps verkostet haben und zwar jeweils als Ansatzschnaps wie auch als Schnapsbrand. Es war wirklich nicht meine Absicht, schon vor dem Abendbrot betrunken zu sein. Aber ich habe auch nichs gadegen.

#16

Ich lerne, dass man aus Kiefernzapfen und Korn Zirbenschnaps destillieren kann, der sehr besoffen macht. Körperlich, aber auch seelisch, weil niemals etwas befriedigender nach Wald geschmeckt hat. Mein Mann tanzt auf der Straße, die Hündin reißt Mais und ich spreche fließend österreichischen Dialekt.

#15

Ich werde wach, weil mein Mann meinen Namen ruft. Aber er liegt nicht neben mir sondern steht unten vorm Balkon. Der Morgen dämmert, ich stolpere nach draußen und erfahre, dass die Hündin Durchfall hat und ein bisschen davon im Treppenhaus liegt. Ich beginne den Tag damit, in Shorts und auf allen Vieren Hundekacke im Pensionsfoyer aufzuwischen. Guten Morgen.

#14

Vorhin musste ich rechts ranfahren, weil die Scheibenwischer für die Abwehr von fließendem Wasser eben nicht gemacht sind. Jetzt schwimme ich nackt im Wolfgangsee und meine Hündin neben mir. Dazwischen hat mein Mann einen Wirt gebeten den Sonnenschirm auf dem Freisitz zu öffnen, weil das die Sonne anlocken würde. Danach hat er das Schloss eines privaten Badeplatzes geknackt. Ich bin verliebt.

#13

Der alte Mann kuckt mürrisch und ich bin mir sicher, gleich von ihm angeraunzt zu werden, weil ich meine Hündin nicht an der Leine führe. Als ich auf seiner Höhe bin, entpuppt er sich als Frau, setzt ein Lächeln auf, bittet um Entschuldigung und streckt mir eine Postkarte entgegen. „Ob’s mir die bitt’schön vorlesen könnten?“ „Sicher, gerne. Bonjour Omi, viele Grüße aus Paris. Bussi, Silvia.“ – „Hach. Schee. No‘amal.“

#12

Obwohl wir tapfer und auch überzeugend Sommerurlaub performen, lässt sich der Herbst spätestens dann nicht mehr leugnen, als sich ein Blatt von der Eiche unter der ich sitze löst, fröhlich zu mir herabsegelt und überaus dekorativ zwischen Kaffeelöffel und Keks auf meiner Untertasse landet. Von mir aus. Ich hatte Sommer.

#11

Ich bestelle zweimal Salzburger Nockerln aber die Kellnerin verkündet frech, uns nur eine Portion zu bringen. Als sie das Mittelgebirge aus gebackenem Eischnee auf unseren Tisch balanciert, bin ich ihr dankbar dafür. Ich esse einen Gipfel, mein Mann einen halben, den dritten müssen wir zurückgehen lassen. „Sie geben schon auf?“ Wir nicken, halten uns die Bäuche und geloben, nie wieder etwas Süßes zu essen.

#10

Die unausgesprochene Wette zwischen mir und dem puppenhaften Silbermann vorm Salzburger Mirabellengarten lautet: Er schafft es nicht, solange stillzustehen, bis ich meine Zigarette aufgeraucht habe. Ich gewinne, aber nur weil die lustigen Asiatinnen für mich schummeln, in dem sie den Silbermann fürs Posieren bezahlen. Ich bezahle ihn später fürs Stillstehen. Ich mag die feine Anarchie dieses Geschäfts.

#8

Es sieht aus wie ein Türknauf in pink, aber sie sagen Punschkrapfen dazu. Nach dessen Genuss bin ich so benommen, das tatsächlich irgendwo eine Blaskappelle zu spielen anfängt. Ich bestelle noch einen Verlängerten und hoffe, dass sie damit den Moment meinen und nicht einen ordinären Espresso, den sie mit heißem Wasser aufgießen.