Archiv für den Monat: April 2015

#57

Wir wachen auf. Wir sehen uns an. Du bist okay, ich bin okay, aber das ist kein Bett. Wir stehen auf. Ich bemerke die Gleichzeitigkeit, des Aufwachens, des Aufstehens, ich bemerke, dass du sie bemerkst, aber ich sage nichts, was soll ich schon sagen, du sagst ja auch nichts, warum auch. Unter uns gelbe Erde, wie Staub, trocken aber fest. Um uns dornige Sträucher, mannshoch, dicht. Ich schlage dir den Staub vom Rücken, dann du mir, du hustest. Wir gehen los, wir schlurfen in Sandalen, das muss ein Traum sein, denke ich, niemals würden wir solche Sandalen tragen. Über unsere Richtung sprechen wir nicht, unsere Richtung verhandelt der Abstand zwischen unseren Schultern mit unserem Abstand zu den Dornenbüschen, wir fügen uns. Dafür also sind Augenbrauen da denkst du, als du mich ansiehst und die glänzenden Tropfen auf meiner Stirn bemerkst, mit dem Unterarm wische ich sie beiseite. Dafür also hat unserer Auge die Iris, denke ich als ich dich ansehe, damit wir die Sonne aus uns aus-sperren können, wenn sie so nervt wie jetzt. Du drehst dich um und prüfst, ob wir vielleicht Taschen liegen lassen haben könnten, da hinten irgendwo, ich habe auch Durst, aber da ist nichts. Unsere Schatten sind nicht mehr unter uns, sie haben sich vor uns gelegt und versprechen einen Abend. Diese Aus-sicht auf Abkühlung macht uns übermütig, wir spielen Schattenhasche, das geht besser ohne Sandalen, ich will deinem Schatten ja nicht wehtun. Als ich wieder aufsehe, bist du stehengeblieben und deutest mit einem Daumen leicht hinter dich. Da erhebt sich ein weicher Hügel aus der Ebene, wir stehen offen-bar an seiner Vorderseite, denn da ist eine Tür. Du umfasst einen Knauf, ich umfasse einen Knauf, das Metall ist warm, uns ist heiß, wir öffnen die Tür und treten ein. Wir sind in einem Hamam, von irgendwo spielt Musik, es ist düster, es ist voller Dampf, vor allem aber ist es kühl. Wir legen die stinkenden Sachen ab und legen uns Handtücher um die Hüften, weich, weiß, dick. Wir pulen den Sand zwischen unseren Zehen hervor und schlüpfen in die bereitstehenden Schlappen. Wir trotten in den Hauptsaal des Bades, er ist rund, in der Mitte ist eine Säule, an ihrem oberen Ende tritt in alle Richtungen der schwere weiße Dampf aus, auf Hüfthöhe ist sie von einem breiten Becken umgeben, es sieht aus, als trüge sie einen Rock. Das Becken ist mit kaltem Wasser gefüllt, wir trinken, wir erfrischen uns. Ich mache mir die Haare nass und frisiere mich ein bisschen, du lachst. Gegenüber der Tür, durch die wir kamen liegt eine weitere Tür. Sie führt uns in die Lobby eines Flughafens. Auf der Abflugtafel steht als nächstes eine Maschine nach Istanbul. „Nehmen wir, oder?“, frage ich. „Klar.“, sagst du.

Ich wache auf. Wusste ich doch mit den Sandalen, murmele ich. Du bist nicht da. Aber wir müssen doch jetzt buchen.