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#49

Als wir in die U-Bahn steigen, drängt sich eine energische kleine Frau zwischen uns. Du setzt dich ans Ende des Wagens, wo die Hündin gut liegen kann, ich setzt mich schräg gegenüber zwischen zwei über ihre Handys gebeugte Männer. Wir akzeptieren die Herausforderung. Das Spiel beginnt, die Regel ist bekannt: Wir kennen uns nicht.

Nach zwei Stationen streifen sich rein zufällig  unsere Blicke. Ich lächle deinen Hund an, aber als ich aufsehe und deinen Blick kreuze, schalte ich von kindlich-fröhlich auf seriös-erwachsen, alle Fremden machen das so. Du musterst die anderen Fahrgäste, ich mustere dich. Du bist hübsch. Du siehst freundlich aus. Klug. Zärtlich. Du weißt dich zu kleiden. Langsam, versonnen befeuchtest du deine Lippen. Da schaue ich in die andere Richtung und lese die Promi-News auf dem Bildschirm an der Decke. Ich spüre, wie du mich ansiehst. Ich korrigiere meine Haltung, ich will erwachsen, unabhängig und interessant auf dich wirken. Ich lege mir einen Knöchel aufs Knie, es soll auch ein bisschen männlich sein. Als ich dich plötzlich wieder ansehe, hältst du meinen Blick. Deine Augen sind bunt und wenn man das bemerkt hat, kann man nicht mehr aufhören, dich anzusehen. Du legst den Kopf ein bisschen schräg und hebst fast unmerklich die Brauen. Ich lächele dich an, es passiert unwillkürlich. Du lächelst zurück, feiner als ich. Du bist elegant. Ich würde dich gern kennenlernen.

#33

Es riecht ein bisschen nach Schweiß, als der Typ aus der Kabine kommt und an mir vorbei zum Waschbecken geht. Wir sind auf einer Herrentoilette in einem Studentenclub, denke ich, wie soll der Typ schon riechen. Ich sehe, wie er versucht, sich die Hände zu waschen und er sieht wahrscheinlich, wie ich versuche zu pinkeln. Wir grinsen. Der Wasserhahn ist so eingestellt, dass nur in der Sekunde Wasser aus ihm fließt, in der man auf ihn drauf drückt. Genau dann kann man sich allerdings nicht die Hände waschen – man hat ja nur eine Hand frei. „Gar nicht so einfach mit der Hygiene, ne?“ sage ich, als ich hinter ihm am Waschbecken stehe und finde mich doof. Er sieht mich an, befeuchtet sich die Lippen, tritt einen Schritt zur Seite, hält den Hahn gedrückt und sagt: „Los!“ Ich lache und wasche mir komfortabel die Hände. Danach wechseln wir. „Das erste Mal, dass du jemandem auf dem Klo den Hahn gehalten hast?“ frage ich beim Abtrocknen und finde mich anzüglich. Er lacht laut und hat schöne Zähne.