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#49

Als wir in die U-Bahn steigen, drängt sich eine energische kleine Frau zwischen uns. Du setzt dich ans Ende des Wagens, wo die Hündin gut liegen kann, ich setzt mich schräg gegenüber zwischen zwei über ihre Handys gebeugte Männer. Wir akzeptieren die Herausforderung. Das Spiel beginnt, die Regel ist bekannt: Wir kennen uns nicht.

Nach zwei Stationen streifen sich rein zufällig  unsere Blicke. Ich lächle deinen Hund an, aber als ich aufsehe und deinen Blick kreuze, schalte ich von kindlich-fröhlich auf seriös-erwachsen, alle Fremden machen das so. Du musterst die anderen Fahrgäste, ich mustere dich. Du bist hübsch. Du siehst freundlich aus. Klug. Zärtlich. Du weißt dich zu kleiden. Langsam, versonnen befeuchtest du deine Lippen. Da schaue ich in die andere Richtung und lese die Promi-News auf dem Bildschirm an der Decke. Ich spüre, wie du mich ansiehst. Ich korrigiere meine Haltung, ich will erwachsen, unabhängig und interessant auf dich wirken. Ich lege mir einen Knöchel aufs Knie, es soll auch ein bisschen männlich sein. Als ich dich plötzlich wieder ansehe, hältst du meinen Blick. Deine Augen sind bunt und wenn man das bemerkt hat, kann man nicht mehr aufhören, dich anzusehen. Du legst den Kopf ein bisschen schräg und hebst fast unmerklich die Brauen. Ich lächele dich an, es passiert unwillkürlich. Du lächelst zurück, feiner als ich. Du bist elegant. Ich würde dich gern kennenlernen.

#45

Wir verbrachten sechs Stunden mit der Lösung eines Computerproblems, aber das Problem gewann. Wir sind raus, aber unsere Jacken hielten dem Regen nicht Stand. Wir wollten mit dem Bus zurück, der aber kam nicht. Zuhause hänge ich unsere Sachen zum Trocknen auf und du kochst Suppe. Dann sitzen wir in Unterhemden und Wollsocken am Esstisch auf dem eine Kerze flackert. Zwischen uns der große Suppentopf, es dampft und duftet. Weil der Tag auf Komfort verzichtete, verzichten wir jetzt auf Geschirr. Wir schlürfen die Nudeln direkt von der Kelle, eine du, eine ich. Unter dem Tisch hakelst du deine Füße zwischen meine. „Von der Seite sehen wir jetzt wie ein Herz aus.“ Du kicherst.