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Ich drücke Markus immer, aber heute muss ich ihn auf seine stachlige Wange küssen. Die Maschine über ihm fängt sofort an gelb zu blinken, als ich ihn berühre, wahrscheinlich ist sie eifersüchtig. Wenigstens klingelpiept sie nicht, andernfalls hätte ich offenen Streit mit ihr.

Ich erkläre Markus, wie er dieses Tablet bedienen muss um an meine eBooks zu kommen, dass er Tschick. zuerst lesen muss und wo der Stecker zum Aufladen hinkommt. Markus erklärt mir, was ein Herzkatheder ist, und dass man dadurch winzige Röhrchen aus geflochtenem Draht in Blutgefäße fädeln kann, um sie dort zu stabilisierenden Tunneln aufzublasen. Ich frage ihn, was er für Sachen macht, er weist mich daraufhin, wie seine Mutter zu klingen. Wir lachen.

Als wir wieder ernst sind sprechen wir über die Angst vor der Angst und die künftige Notwendigkeit der Vermeidung von Alleinesein. Herrndorf lehrt, setze ich an – und wäre mir eine harmlosere Fortführung des Satzes eingefallen, hätte ich sie gesprochen, aber so musste ich das sagen, was ich dachte, nämlich – Herrndorf lehrt, der Feind der Angst ist nicht allein Gesellschaft, sondern vor allem Arbeit und Struktur. Dann schweigen wir ein bisschen und hören den anderen Patienten im Zimmer beim Schnarchen zu.