Schlagwort-Archive: Urlaub

#19

Auf dem Rückweg vom Baum zum Auto höre ich ein Klimpern in meiner Hosentasche, das da nicht hingehört. Zwei Sekunden später baumelt ein großer Metallriegel in meiner Hand und daran ein silberner Schlüssel. Der passt zu unserem Zimmer in der kleinen Pension, aus der wir vor 3 Stunden abgereist sind. Das nächste Postamt ist in Sichtweite; wir finden das keinen Zufall. Die Wirtin auch nicht. Am Telefon lacht sie, dass wir den Schlüssel doch nur mitgenommen hätten, weil wir nächstes Jahr wiederkommen wollen. Vielleicht.

#18

Als wir bei unserer dirndltragenden Wirtin die Rechnung für die letzten Tage begleichen wollen, kommt sie doch noch, diese Frage. Nicht von der Wirtin selbst, sondern von ihrer blaulockigen Mutter, mit der wir bisher kein Wort gewechselt haben. „Wie g’herts ihr oingtlich z’samme?“ Die Wirtin grinst panisch, ich rolle mit den Augen, Heiko lächelt und macht ein langes „Tjaaa…“ zum zeitgewinnen. „Wir sind ein Liebespaar.“, sagt er dann. „Aso“, sagen die Wirtin und ihre Mutter. „Genau.“, sage ich, aber ich denke „Verdammt: Ja!“ Es vergehen ein paar stille Sekunden, dann wird weiter gerechnet.

#17

Wir mussten an diesem Hof anhalten um Zirben-Schnaps zu kaufen, weil es den im Laden nicht gibt. Ich konnte nicht ahnen, dass wir zwei Minuten, nachdem wir einfach in die erstbeste Tür, die auf dem Gehöft offen stand hinein gestolpert sind am Küchentisch dieses fremden Ehepaares sitzen würden, dass uns erst wieder gehen lässt, nachdem wir neben dem Zirben- auch den Brombeer-, Himbeer und Birnenquitten-Schnaps verkostet haben und zwar jeweils als Ansatzschnaps wie auch als Schnapsbrand. Es war wirklich nicht meine Absicht, schon vor dem Abendbrot betrunken zu sein. Aber ich habe auch nichs gadegen.

#16

Ich lerne, dass man aus Kiefernzapfen und Korn Zirbenschnaps destillieren kann, der sehr besoffen macht. Körperlich, aber auch seelisch, weil niemals etwas befriedigender nach Wald geschmeckt hat. Mein Mann tanzt auf der Straße, die Hündin reißt Mais und ich spreche fließend österreichischen Dialekt.

#15

Ich werde wach, weil mein Mann meinen Namen ruft. Aber er liegt nicht neben mir sondern steht unten vorm Balkon. Der Morgen dämmert, ich stolpere nach draußen und erfahre, dass die Hündin Durchfall hat und ein bisschen davon im Treppenhaus liegt. Ich beginne den Tag damit, in Shorts und auf allen Vieren Hundekacke im Pensionsfoyer aufzuwischen. Guten Morgen.

#14

Vorhin musste ich rechts ranfahren, weil die Scheibenwischer für die Abwehr von fließendem Wasser eben nicht gemacht sind. Jetzt schwimme ich nackt im Wolfgangsee und meine Hündin neben mir. Dazwischen hat mein Mann einen Wirt gebeten den Sonnenschirm auf dem Freisitz zu öffnen, weil das die Sonne anlocken würde. Danach hat er das Schloss eines privaten Badeplatzes geknackt. Ich bin verliebt.

#12

Obwohl wir tapfer und auch überzeugend Sommerurlaub performen, lässt sich der Herbst spätestens dann nicht mehr leugnen, als sich ein Blatt von der Eiche unter der ich sitze löst, fröhlich zu mir herabsegelt und überaus dekorativ zwischen Kaffeelöffel und Keks auf meiner Untertasse landet. Von mir aus. Ich hatte Sommer.

#11

Ich bestelle zweimal Salzburger Nockerln aber die Kellnerin verkündet frech, uns nur eine Portion zu bringen. Als sie das Mittelgebirge aus gebackenem Eischnee auf unseren Tisch balanciert, bin ich ihr dankbar dafür. Ich esse einen Gipfel, mein Mann einen halben, den dritten müssen wir zurückgehen lassen. „Sie geben schon auf?“ Wir nicken, halten uns die Bäuche und geloben, nie wieder etwas Süßes zu essen.

#10

Die unausgesprochene Wette zwischen mir und dem puppenhaften Silbermann vorm Salzburger Mirabellengarten lautet: Er schafft es nicht, solange stillzustehen, bis ich meine Zigarette aufgeraucht habe. Ich gewinne, aber nur weil die lustigen Asiatinnen für mich schummeln, in dem sie den Silbermann fürs Posieren bezahlen. Ich bezahle ihn später fürs Stillstehen. Ich mag die feine Anarchie dieses Geschäfts.